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GESCHICHTSSCHLIEREN AUF DER FILMROLLE: Teil 2 derDVD-Veröffentlichungsoffensive von Index
by Heinrich Deisl/ Sangam Sharma in Skug – Journal für Musik , 02.2007
 
Das Wiener DVD-Label Index hat im Herbst 2006 gleich zwölf neue DVDs zum Avantgarde- und Kurzfilm und zur Performancekunst herausgebracht. Dabei wird ein breiter Diskursrahmen aufgezogen, der sich von Arbeiten bekannter Größen wie Valie Export, Peter Weibel, Linda Christanell und Kurt Kren bis zu aktuellem Material von Mara Mattuschka und Leo Schatzl spannt. Auch dabei: Werke des polnischen Avantgardefilmers Józef Robakowski zwischen 1971 und 2003 und des rabiaten Hannoveraners Jan Peters von 1984 bis 2006. Auffällig bei der Auswahl: Themen wie Konservierung, Super-8-Ästhetik und eine Vertiefung der Filmcodegenerierung österreichischer Provenienz in der dafür so wichtigen Phase der frühen bis mittleren 70er stehen im Vordergrund.
Index war vom Wiener Filmvertrieb Sixpackfilm 2004 gegründet worden, um wichtige österreichische Experimental- und Avantgardefilme per DVD dem nachwachsenden und/ oder Sammlerpublikum zu erschließen. Und das, obwohl oder trotzdem auch von Geschäftsführerin Brigitta Burger-Utzer die DVD-»Problematik« hinsichtlich Speicher- und Präsentationsmedium immer wieder thematisiert wird und sich Filmer wie etwa Peter Kubelka nach wie vor strikt gegen das Medium DVD aussprechen. Konsens besteht zumindest darin, dass es wichtig ist, die mittlerweile in teils recht bedenklichem Zustand befindlichen Super-8- und 16mm-Originale zu konservieren. Mittlerweile hat sich Index ein internationales Vertriebsnetz aufbauen können, das von Erstwhile (US) über a-musik (D) bis Synaesthesia (AUS) reicht. Besondere Präsenz hat Index in Frankreich. Bei einem Stückpreis von 36 Euro ist diese DVD-Serie nicht unbedingt auf (film-)studentische Bedürfnisse zurechtgeschnitten sondern als Kunstwerk im Pocketformat zu sehen.
Nichts desto trotz ist Index richtig wichtig. Ob bei einer Uni-Veranstaltung oder im hauseigenen Patschenkino: Die von Index veröffentlichten Bild- und Tonkaskaden stellen eine avancierte Seh-Schule bereit, die den filmhistorischen und –ästhetischen Diskurs (wieder) auf eine breitere Basis stellt. Denn wenn nicht hier, wo dann, kann man sich Dietmar Brehms Kompilationswerk »Black Garden« in Hi-Res-Qualität (welch Hohn!?) reinziehen und an »Macumba« oder dem Proto-Slacker-Klassiker »The Murder Mystery« mit seinen ausfransenden S/W-Bildern veritable Montageanalysen betreiben? Oder Martin Arnolds »Passage à l’acte«, an dem sich granulare Synthese und das Loop-Denken im Techno gut exemplifizieren lassen.
Und schließlich: Die DVD »As She Likes It« beschäftigt sich mit weiblicher Performancekunst aus Österreich. Zehn Arbeiten, von drei verschiedenen Generationen, dienen als Exempel: Performancekunst ist zunehmend weiblich besetzt, die Videokunst dient als Mittel zur Thematisierung von Weiblichkeit. Sehr humorvoll erzählt die Malerin Maria Lassnig in ihrem Video »Maria Lassnig Kantate« ihre Lebensgeschichte, oder vielmehr singt sie sie uns vor. In ironisch gewählten Kostümen, etwa als Bäuerin, Cowboy, Punk oder Harlekin, trägt die bereits 73jährige ihre Biographie vor, begleitet von einer Drehorgel. Im Hintergrund illustrieren bunte Animationen Lassnigs das Erzählte. Carola Dertnig ist gleich mit zwei Arbeiten vertreten. »Strangers« zeigt eine Frau, die in der Bahnhofshalle ihre am Hosenbein vergessene rote Strumpfhose verliert, während sich aus dem Off ein englischer Monolog über das Fremdsein entspinnt. Dertnig verbindet so stilistische Grundmotive der Slapstick Comedy mit analytischen Ansätzen aus der feministischen Performancekunst
 
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